»SCHREITEN UND SCHWEBEN« Rolf Biebl (Plastik) und Matthias Kanter (Malerei)

5. September–25. Oktober 2026
Vernissage: Samstag, den 25. Juli 2026 um 17.00 Uhr

Rolf Biebl ist bekannt durch seine figürlichen Plastiken vom Abbildhaften des menschlichen Körpers bis hin zum expressiven freien Körperausdruck. Unvermittelt begegnet man Biebls Figuren an Plätzen, wo man sie nicht vermutet. So will er Menschen, die sonst keine Berührungspunkte mit Kultur haben, diese erleb- und anfassbar machen.

„Der gebürtige Vogtländer belädt seine Skulpturen, auch die gemalten und gezeichneten Körperbildnisse, mit all den Verformungen, die einem im Leben widerfahren können. Und so ist es nicht ein Ideal vom Menschen, das er in den Raum stellt – in bemaltem Holz oder in weißem, fragmentarischem Marmor. Seine Figuren sind Ausdruck für Zeitgeist, für Anpassung, aber auch Widerstand, für das Unvollkommene gegen die allgegenwärtig suggerierte perfekte Äußerlichkeit. Diese Wesen scheinen verformt von der Last der Vergangenheit und der Gegenwart, von Zwängen und Resignation oder aggressiver Wut. Etliche aber wirken auch befreit“ (Ingeborg Ruthe)

Biebl wurde 1951 in Klingenthal (Sachsen) geboren. Er studierte Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. 1980 bis 1983 war er Meister­schüler an der Akademie der Künste der DDR bei Ludwig Engelhardt. Zusammen mit Clemens Gröszer und Harald K. Schulze gründete er 1981 die Künstlergruppe „NEON REAL“. Ihm wurde 1992 der letzte Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste (Berlin) verliehen. 2003 folgte der 1. Preis beim Internationalen Bildhauersymposium in Eubabrunn. Biebl lebt und arbeitet in Berlin.

Über Jahrzehnte hat Matthias Kanter seinen eigenen, von der Konzentration auf sein Werkzeug – die Farbe – dominierten Malstil herausgebildet. Seine räumlichen, oft sehr dynamischen, Bildgeschichten zeigen Harmonie und Spannungsfelder auf. Viele Farbschichten werden lasurartig über einander gelegt, es entstehen diese unverwechselbaren, dreidimensionalen Protagonisten, die zusammen oder widerstrebend im Bild mitwirken. Häufig lassen erst die Titel darauf schließen, woher die Idee für ein Bild kam oder welchen Künstler er mit seiner persönlichen Darstellung würdigt.

»Meine Arbeit steht vom Anfang an im Kontext einer Reparatur der Malerei ,die gerade einmal wieder für Tod erklärt wurde, als ich mein Studium 1990 begann.
Der Weg war die Entwicklung einer Maltechnik und meines Malprozesses.
So sehr der Malprozess meiner persönlichen Mentalität entspricht,
hat mich immer auch seine Möglichkeiten für Andere interessiert.
Ich habe nach einer Technik gesucht
, die mit ihrer Malhaut, ihrer Stofflichkeit und ihrer Veränderlichkeit im Licht, dem Fresko entspricht .
Die Steuerung der Farben sollten eng am Pigment möglich sein mit Wasser als Malmittel .
Ein wasserfestes Bindemittel erlaubt Qualitäten der Lasurmalerei durch Schichtungen bzw. Untermalungen.
Meine Bilder sind regelmäßige „Anwendungen“ dieser Entwicklungsarbeit um ihre Möglichkeiten zu prüfen, sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.
Dabei habe ich das „Neue“ nie im „Was“ sondern immer im „Wie“ gesucht .
„Sichtbar machen“ und „zeigen“ verweist auf die Präsenz im Bild die immer auf ein „Erzählen“ mit den ureigenen Mitteln der Malerei abzielt mit meiner Konzentration auf die Möglichkeiten der Farbe
(Matthias Kanter, 2022)

Matthias Kanter wurde 1968 in Dessau geboren. Von 1985 bis 1988 Maurerlehre mit Abitur.
Von 1990 bis 1995 studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Ralf Kerbach und war von 1996 bis 1998 Meisterschüler bei Prof. Max Uhlig.
Matthias Kanter lebt in Friedrichshagen bei Wismar und arbeitet in Plüschow. Seine Bilder befinden sich im Besitz vieler öffentlicher und privater Sammlungen.

Das Haus bleibt wegen Ausstellungs-Umbau vom 26. Oktober–13. November geschlossen.